...und das ist mitnichten eine Übertreibung, sondern vielmehr der Wortlaut ihres vom slawischen »swentana« abgeleiteten Namens. Dem heimatlichen Gewässer der Klausdorfer Kanuten ist dieser Artikel gewidmet und er setzt dort ein, wo alles beginnt, nämlich am Anfang.
An den Hängen des Bungsberges findet sich der Ursprung unseres Flusses in Gestalt einiger Rinnsale, die sich alsbald zu einem Bach vereinigen, der zwar schon den Namen Schwentine trägt, für Paddler aber noch keine Bedeutung hat. Das ändert sich, nachdem das Bächlein, zumeist drainiert, gelegentlich munter sprudelnd, den Sibbersdorfer See durchflossen hat und den Großen Eutiner See erreicht. Apropos »Seen«: Eine Besonderheit der Schwentine ist es, daß sie nur abschnittsweise als Fluss in Erscheinung tritt, viel öfter durchfließt sie die zahlreichen Seen der ostholsteinischen Seenlandschaft. Auch deshalb ist ihre Strömungsgeschwindigkeit derart moderat, daß der hier beschriebene Streifzug jederzeit auch in umgekehrter Richtung möglich ist.
Wohlan, die Paddel-Tour beginnt. Von der Einsetzstelle am Ruderclub in Eutin sind es nur wenige Schläge, bis man an der Fissauer Mühle zum ersten, problemlosen Umtragen veranlaßt wird. Schon ist der Kellersee erreicht, vorbei an Gut Rothensande findet sich der Weg nach Malente ein wenig versteckt im Schilf. Vorbei an Zeltplatz, Park und Gärten folgt die Gremsmühle. Ihr ehemaliges Wehr wurde entsprechend der EU-Wasserrahmenrichtlinie umgestaltet, flussaufwärts strebenden Fischen bietet es nun kein Hemmnis mehr. Paddler nutzen einen komfortablen Rollsteg, das mühselige Umtragen über die Straße ist nicht mehr nötig. Weiter geht es auf dem Dieksee, voraus liegt die kleine Insel Langenwarder, weiter geht es westlich, bis die Anlegestelle der Fünf-Seen-Fahrt auf den Durchfluß zum Behler See weist. Natürlich lassen sich die zahlreichen Seen auch genußvoll umrunden, wollen wir aber dem Lauf der Schwentine folgen, führt der Kurs nun durch den Höftsee bis zur Umtragestelle an der ehemaligen Ölmühle Fegetasche, heute Standort der Plöner Kanuten. Auch hier findet sich eine Rollenbahn, um ein Stückchen Fluss zu erreichen und gleich danach den Großen Plöner See. Der bietet großartigen Paddelspaß, sollte aber gleichwohl von Anfängern mit Vorsicht befahren werden, könnten doch Wind und Wellen sie schnell überfordern; dann heißt es, sich nahe dem Ufer zu bewegen. Wer aber sein Boot und sich beherrscht, findet besonders in eher unwirtlichen Wintermonaten faszinierende Einsamkeit auf weiter Wasserfläche.
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Zwischen Malente und Plön |
Für die Fortsetzung der Schwentine-Fahrt finden sich nun verschiedene Möglichkeiten, von denen die reizvollste wohl die Umrundung der Prinzeninsel ist. Die ist in Wirklichkeit eine Halbinsel, benannt nach den Söhnen des Weltkrieg-Kaisers Wilhelm II., die das Internat im nahe gelegenen Schloß besuchten, heute gehört es einem Brillen-König. Am Campingplatz Spitzenort gilt es, ein weiteres Wehr zu umtragen, womit anschließend der Kleine Plöner See erreicht wird. Entlang sanfter Hügel paddelt es sich gemütlich auf die Große Breite zu, einem Abschnitt der Schwentine, wo sie nicht recht weiß, ob sie nun Fluß oder See sein soll. Den Paddler schert‘s nicht, vergnügt er sich doch hier und auf den folgenden Kilometern in einer recht abgeschiedenen Landschaft, die sich nur im Boot dem Erleben erschließt. Schwäne und Enten sind seine Begleiter, im flachen, sonnendurchwirkten Wasser lassen sich Fischschwärme blicken und gelegentlich flieht ein Eisvogel in typischer Weise über´s Gewässer. Die Idylle nimmt kein Ende, nach Passieren des Gutes Wahlstorf fährt man hinaus auf den vielbuchtigen Lanker See, häufig genug bietet er Gelegenheit, Seeadler zu beobachten.
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Zwischen Preetz und Raisdorf |
In Preetz fließt der Schwentine die Kührener Au hinzu, gelegentlich wird sie auch noch »Alte Schwentine« genannt, weil man vorzeiten eben sie als den Hauptstrom betrachtete. Ihr Weg, von der Bornhöveder Seenplatte her, bietet besonders zuzeiten höheren Wasserstandes Gelegenheit zu einer eigenen, nicht minder lohnenswerten Paddel-Tour. Vorbei am Preetzer Kloster zieht nun das Flüßchen durch Schilf und Wiesen, nach Gut Rastorf ähnelt es gar einem Dschungelfluß, so dicht ist der Bewuchs der Ufer, so tief hängen laubbeschwerte Äste über dem Wasser. Kurz nur währt die Wildnis, dann befindet man sich auf dem äußerst flachen Rosensee, aufgestaut durch den Bau zweier Kraftwerke in Raisdorf. Die zwingen den Wasserwanderer zu einer ca. 1,5 km langen Landpartie durch den Tierpark, ohne Bootswagen läuft hier gar nichts. Stärkung findet sich unterwegs in der »Obstquelle«, der Apfelplantage von Ernst Schuster. Die Teilnehmer der alljährlich im August veranstalteten »Schwentine-Wanderfahrt« werden dort traditionell mit köstlichstem Saft verwöhnt, bevor sie wenige hundert Meter später noch einmal zum Schlußspurt gen Klausdorfer Bootshaus einsetzen.
Das ist nach der Oppendorfer Mühle schnell erreicht, doch Obacht: Nur wer sich an der bald folgenden Flußgabelung links hält, erreicht sein Ziel, nämlich das wohl schönste unter vielen Kanuclub-Geländen; dem Verfasser sei dieser Superlativ vergönnt, denn er weiß aus Erfahrung, was er da schreibt. Ein Durchstich hat hier eine Insel entstehen lassen, deren erste Umrundung wohl manchem Klausdorfer Paddler aus Kinderzeiten in Erinnerung geblieben ist.
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Zwischen Klausdorf und Wellingdorf |
Der Schwentine verbleiben gute vier Kilometer, bis sie in die Förde mündet. Die Rennfahrer des Vereins rasen die Strecke im Training rauf und runter, den Seekajak-Fahrern ist sie Auftakt zu weiteren Törns; dem Anfänger aber bietet sie ein ideales Revier, um sich mit Boot und Paddel vertraut zu machen. Und vermutlich schaut jeder unterwegs nach den Schildkröten, die beim ersten Sonnenschein auf altgewohnten Plätzen am Ufer zu finden sind.
Matthias
Wassersport-Wanderkarte Nr.1 Deutschland-Nordwest, mit Detailkarte des Schwentine-Verlaufs; Jübermann Verlag, ISBN 3-929540-11-8
Horst Teigeler »Kanuwandern in Schleswig-Holstein und Hamburg«; Pollner Verlag, ISBN 3-925660-21-6
Matthias Friedemann »Wasserläufe in Schleswig-Holstein«; Wachholtz Verlag, ISBN 3-529-02845-2