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Horror vor Poel

Eine unerotische Nachtgeschichte

 

"Alle Mann in die Boooote! Frauen und Kinder zuerst! Keine Panik, Ruhe Leute!
Ich dreh´gleich durch! Wo ist der Fahrtenleiter? Ach du Scheiße, dass bin ja ich! Wo is´meine Mütz...?

 

Booaah, nur ein Traum. Es ist dunkel, wo bin ich eigentlich? Ach ja, in meinem Zelt auf dem Campingplatz "Möwe" auf Boiensdorfer Werder, dem bis dato ruhigsten Ort der Welt. Wie spät ist es denn? 3.15 Uhr! Oh, schon 3 Stunden geschlafen! Reicht das für die morgigen 31 Bootskilometer rund um Poel? Nöö, aber hier kriege ich bestimmt kein Auge mehr zu. Meine Zeltwand vibriert im Takt der Drums und Bässe.

 

Es ist "Rock am Haff", etwa 3 km entfernt übers Wasser. Sind die nicht ganz dicht? Um 3.00 Uhr mit diesem Lärm anzufangen? Ich bin nicht der einzige den es zu dieser Stunde aus seinem Schlafsack gesprengt hat. Didier huste vor seinem Zelt und Astrid scheint Schutz in ihrem Volvo zu suchen. Erst `mal pullern gehen und dann weiter sehen. Hämmernde Bässe - boum, boum, bouumm...

 

3.30 Uhr - zurück im Zelt. Hatte ich nicht irgendwo noch frische Lärmstopps? Wühl´ in der Kulturtasche. Ahhh, da sind sie ja, die kleinen gelben Engel. Der weiche glatte Schaum fühlt sich an wie kalter, alter Popel, aber egal wenn`s hilft. Zwischen den Fingern gerollt, wird aus den Proppen eine längliche Wurst. So, jetzt schnell rein ins Ohr. Oh, Mist runtergefallen. Wo is´ jetzt das kleine Scheißding? Nicht aufregen, cool bleiben! Boum, boum, boum, da, dada-boum. Ey, eine Melodie! Was spielen die überhaupt? Das ist doch kein Rock! Techno?

 

Mittlerweile 3.45 Uhr. Beide gelben Ohrproppen sind zwischen meinen Fingern wieder zu Ohrwürmern geformt, jetzt aber ab in den Gehörgang. Nur widerwillig lassen sie sich einführen, biegen sich weg die Burschen, irgendwie unangenehm. Nachdrücken, festhalten, aufquellen lassen und...? Die helfen ja gar nicht! Astrid ist wieder zu hören, erzählt irgendwas, Didier hustet, irgendjemand wuselt draußen rum und natürlich...boum, boum, booouum. Nicht aufregen, das is´ nicht gut vor dem einschlafen. Wieso heißen diese Dinger Lärmstopps, wenn die sowieso nicht helfen? Wer baut so was, Sadisten?

 

Schon 4.00 Uhr, gaanz ruhig, ruhig bleiben. Ich glaub´ ja die Dinger mit dem rauhen Schaum helfen besser. Tom hat ja maßgefertigte aus Silicon, die helfen bestimmt. Ja, die hol´ ich mir auch mal. Booum, boum, la, la, la, bamm, bouum. Das ist doch keine Musik! Vielleicht ja eine Therapie. Lärmen am Wasser für schreckliche Kinder oder so. Jetzt fällt mir ein Lied von Reinhard Mey ein. Wie war das noch gleich? "...und da lob´ich mir ein Stück Musik von Hand gemacht, von `nem richtigen Menschen mit dem Kopf erdacht, `ne Gitarre die noch wie `ne Gitarre klingt und `ner Stimme die sich anhört als ob jemand singt!"  Boum, boum, däng, dong, boum.

 

4.30 Uhr, es wird hell! Andreas, ja der war schlau! Konnte Freitag nicht, hmmm, kommt früh gegen 9.00 Uhr. Der hat bestimmt was geahnt. Liegt jetzt breit und bräsig in seinem Bettchen und schläft. Uschi fällt mir ein. Sie zeltet nicht mehr gern, weil sie dann meistens schlecht schläft. Vogelgezwitscher, Windrauschen, Möwenkreischen und so. Boum, bouum, boum. Haben wir hier bestimmt auch, aber man hört es ja nicht! Boum, bäng, boum. Ich hatte sie schon fast überredet mitzukommen. Superleiser Zeltplatz, wenig los, Natur pur! Sie war ganz kurz davor mitzukommen! Oh Gott, sie hätte mich wahrscheinlich im Salzhaff versenkt oder an die Möwen verfüttert. Däng, boum, dumm, doum, doum. Warum übt der Bassist nicht irgendwo im Keller. Gehört bestimmt zur Achse des Bösen! Rock am Haff. In Haft gehören die! Ja Andreas, der war schlau! Der hat bestimmt was gewusst der Bursche.

Wow, schon 5.00Uhr. Eine Ohrschmalzratte versucht abzuhauen, sie hat nicht mehr mit meiner Gegenwehr gerechnet. Man ist das schon hell, wird bestimmt schön sonnig heute. Eine Autotür - Astrid hat wohl zurück ins Zelt gewechselt, Didi hustet noch immer, Doro wühlt in ihrer Schlafpelle und ich bin gar nicht mehr müde!

 

5.20 Uhr, der Ohrenterror wird langsam etwas leiser. Dumm, dum, du...


Wahrscheinlich hat die arme Landbevölkerung mit diversen Ackergeräten zu einem Gegenschlag ausgeholt. Ein Glück, dass Uschi nicht mit ist. Andreas, ja der war schlau...!

 

Kurz vor 9.00 Uhr sitzen 4 zerknitterte Paddler beim Frühstück in der Sonne  und Andreas betritt die Bühne: " ...ich bin schon vor 7.00Uhr losgefahren, konnte letzte Nacht nicht gut schlafen!" "Okääääey, dann kann´s ja losgehen!!!"

 

(Die Tour war übrigens super und wir hatten viel Spaß!  Siehe Bilder weiter unten.)  

 

 

 














Text und Fotos von Olaf

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