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Auf der Nordsee

Für einige der Klausdorfer Seekajaker gibt es kaum ein schöneres Paddelrevier als das nordfriesische Wattenmeer. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit machen sie sich mit Booten und Zelten, Schwimmwesten und Seekarten, Gemüse und Rotwein auf den Weg gen Westen, nach Schlüttsiel etwa oder Südwesthörn, um von dort aus in See zu stechen. Schon Tage zuvor sind die Wetterberichte aufmerksam verfolgt worden: Wird der Wind ihnen gnädig sein oder verhindert er die Fahrt? Die Daten aus ihrem Buch der Verkündigungen, dem Gezeitenkalender nämlich, kennen sie fast schon auswendig.



Und dann sind sie unterwegs, fern von Ufern und alltäglichem Geschehen, ein kräftiger Hauch von Freiheit umgibt sie. Der eine mag es besonders, wenn die Gischt entgegenkommender Wellen ihnen ins Gesicht spritzt, ein anderer schätzt mehr die gleißenden Sonnenstrahlen auf der weiten Wasserfläche um sie herum. Mal treibt sie der Strom des ablaufenden Wassers voran, ein andermal müssen sie sich mit gesteigertem Aufwand Wind und Tide widersetzen. Sie gleiten vorbei an Seehundbänken und Halligen, irgendwo erwartet sie eine günstige Möglichkeit zur Rast oder zum Nachtlager.


Wohltuend ist am Abend die Ruhe nach den Anstrengungen des Tages. Die Unterkünfte sind errichtet, nun hocken sie gemeinsam vor köstlichem Eintopf aus dem Trangiakocher. Mag sein, daß dabei die tiefstehende Sonne graue Wolkenfelder in dramatischem Licht erscheinen läßt und gar ein Regenbogen über Strand und Meer die Szenerie belebt. Häufiger aber freuen sie sich über das vorsorglich mitgenommene Tarp, das Schutz vor auskühlendem Wind bietet.

 

Jetzt ist die Zeit für Pläne, irgendwann will man es mal zur "Pallas" schaffen, dem Schiffswrack, das ein paar Seemeilen vor Amrum liegt. Das wäre doch was, dort die verbliebenen Reste zu erklimmen und das Farbenspiel aus rostig-rotem Stahl, knallgrünem Algenwuchs und blauem Himmel darüber zu bewundern! Oder soll man einmal eine Solo-Tour versuchen? Ganz auf sich allein gestellt, vielleicht bei diesigem Licht, wenn Horizont und Himmel zu einer scheinbar undurchdringlichen Einheit verschmelzen. Dann fände man seinen Weg nur entlang der Fahrwassertonnen, mit Hilfe von Kompaß und Karte und könnte auf weltentrückten Sänden zum Baden anlanden.

 

Mit salzverkrusteter Haut und müden Armen kehren sie schließlich zurück, voller Eindrücke und wünschen wenig mehr, als bald wieder ihre Kajaks in der Nordsee zu wässern. Vorsicht ist also angeraten: Salzwasserpaddeln kann süchtig machen!

 

Matthias


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